Nürnberger Dichter, Sprachmagier, Leonce-und-Lena-Preisträger.

Werbetext-Kunden zu erklären, was ihnen ein poesiebegabter Texter bringt, ist eine bisweilen dankbare Aufgabe. Aber umgekehrt? Was haben Lyrikfreunde bitteschön von einem werbetextenden Poeten?
Profitieren Gedichte etwa von Werbung?!

Die Zweitverwerter der Poesie (zu denen neben den Werbefachleuten auch die „Lyrics“-Songwriter gehören) treiben die Dichter an, Sprache ständig neu zu erfinden und den kommerzialisierten Mainstream hinter sich zu lassen. Wären Kommerz und Propaganda weniger skrupellos in der Aneignung von „poetischer“ Sprache – vielleicht wäre gegenwärtige Dichtung langweiliger, berechenbarer, gereimter und verständlicher.

Darf ein Dichter für sich werben?

Für einen Künstler ist es anrüchig, zu dicht neben „Werbe-Spezialisten“ zu stehen. Ganz zu schweigen von einer Personalunion: Werbetexter und Kommunikationsberater – passt das zu einem „anständigen Poeten“? Ganz ehrlich, wenn ich damit das verklärte Bild vom freiwillig darbenden Dichter aus dem Goldrahmen stieße, hätte ich da kein schlechtes Gefühl dabei.

Auch ein Nürnberger Lyriker kennt die spießbürgerliche Sehnsucht nach gesicherter Existenz. Warum sollte ich so tun, als könnte ich von mageren Auflagen bei Gedichtbänden, von gelegentlichen Preisen und Stipendien auch nur annähernd leben – als wäre „Dichter“ ein Berufsbild? Und wenn selbst dies noch wie Werbung für mich als Künstler klingt, dann ist das nichts weiter als ein Versuch jener beiden Pole in mir … ja wofür? Zur beidseitigen Vershöhnung!

Glaubte ich, für meine Gedichte Werbetexte schreiben zu müssen, wäre ich als Lyriker gescheitert. Der Werber in mir, der Hund, rät mir daher zum hemmungslosen Gebrauch von Testimonials: Wie wird dieser Nürnberger Dichter von anderen wahrgenommen, wie seine Gegenwartslyrik rezipiert?

Metamorphose und Forschungsbericht, Krückenspiel und formvirtuose Beschwörungen

„Schloyers Schreiben ein sanftes Wüten (…) eine Stellungnahme – intellektuell wie fühlbar – als poetische Stellungnahme, weil die Form mit den Inhalten verbleibt – als politische Stellungnahme, weil Sprache Sprache dort entlarvt, wo das Alltägliche tänzerische Leichtigkeit hat und doch den exakten Schritt des Maßes, der Metrik, des Ungebändigtseins: Stellungnahmen als Bewegungen offen definiert.“
Tübinger Stadtschreiberstipendium für Lyrik, 2017

„Die philosophisch grundierten Gedichte Christian Schloyers entwachsen einer doppelten Verunsicherung: durch die reflexive Zersetzung und mediale Entfremdung des Subjekts und durch die zivilisationsbedingte Verheerung unserer Welt; als formvirtuose Beschwörungen suchen und schaffen sie Momente authentischer Bezugnahme: auf ein Du in der Liebe, auf Natur oder Umwelt in einer Empathie mit ihrer Zerstörung und auf die Leser durch die Prägung von Sprachformen, die uns diese Erfahrungen bewältigen helfen.“
Bayerischer Kunstförderpreis für Literatur, 2013

„Seine Gedichte sind nicht immer leicht zu verstehen, aber die meisten von ihnen sind echte Sprachkunstwerke, die von einer großen Meisterschaft zeugen. Christian Schloyer schlägt in der Gegenwartslyrik einen ganz eigenen, unverwechselbaren Ton an, der den Wörtern neue Bedeutungs- und Assoziationsräume öffnet.“
Förderpreis zum August-Graf-von-Platen-Literaturpreis, Ansbach 2011

„Das Zauberwort! Schön wärs! Schloyer kehrt immer wieder zur Erkenntnis der Unmöglichkeit des Zauberworts zurück – und zieht seine Spieluhr doch auch immer wieder neu auf. Die Gedichte bewegen sich leicht, grazil, tänzerisch, eben spielerisch – aber sie sind im Gegensatz zu Eichendorff alles andere als eingängig. Weil sie als Zeugnisse der sprachkritischen Moderne (…) über die simple Sprachlogik, das naive Bedeutungs- und Zweckhafte der Sprache, hinwegzukommen versuchen, stecken sie zwar voller Überraschungen – kühnen Assoziationen, leichtfüßigen Gedankensprüngen, paradoxen Bezügen. Aber am Ende muss Schloyer doch bekennen – auf dem Weg zum Urmeer unseres Bewusstseins bleibt sein Sprach-Spiel nur ein stammelndes ‚krückenspiel‘.“
Kulturförderpreis für Literatur der Kulturstiftung Erlangen, 2009
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„Christian Schloyer gelingt es überzeugend, aus der Formensprache der modernen Poesie ein eigenes Idiom zu formen. Er löst klassische Bildlichkeit auf in ein Spiel von Perspektiven und Funktionszusammenhängen. Seine Gedichte sind starke Wortartefakte, die ganz für sich stehen.“
Literaturwettbewerb Wartholz, Reichenau a.d. Rax (Österreich) 2009

„In stark gegliederten, zäsurenreichen, aber metrisch-motivisch verdichteten Versen schafft sich der Autor eine sinnfällige Form für seine Spurensuche. Im ersten Zyklus gilt sie dem Nachweis noch vorhandener Ursprünglichkeit in unserer kulturell überformten Lebenswelt und im zweiten Zyklus in gesteigerter Intensität der Suche nach einer natürlichen Urschrift. Mit der Brechung des zeitgenössischen Blicks auf Natur durch den der Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts sichern sich die Gedichte ihren Reichtum und Rang als poetisch-naturgeschichtlicher Forschungsbericht.“
Leonce-und-Lena-Preis, Darmstadt 2007

„Poesie als Sprachüberraschung, als Metamorphose von Ich und Wahrnehmung, als Verpuppung und Entkleidung, Poesie als schöner Schein des Alles-mit-allem-Verbindens, wie es schon Novalis forderte, nämlich: die Welt zu poetisieren – und dann die plötzliche Erkenntnis, dass es genau auch so zusammengehört, dass eben doch noch nicht alles gesagt ist.“
Open Mike, Berlin 2004