Text & Klang – Lyrik, Prosa, Konzepte, Performances, elektroakustische Improvisation

Nur ein Künstler kann den Sinn des Lebens erraten.
Novalis – Fragmente

{Christian Schloyer auf der 'Rampenschweinerei' in Fürth, Juli 2016}

Leben ist wie luzides Träumen, man lebt obwohl man weiß, dass man lebt.
Christian Schloyer – fragmentiert

Warum Lyrik + elektroakustische Klangimprovisation?

Weil ich „mich“ genauso wenig begreife wie alles andere, das Sein so wenig wie das Nicht-Sein, Leben so wenig wie Tod, Materie so wenig wie Geist – und weil ich nicht weiß, wie diese meine Ratlosigkeit zu mindern sei, darum benötige ich eine Sprache, die meinem Sein einen Anker gibt, den ich versenken kann in jeder noch so kleinen Gewissheit, hineinstoßen und mich festhalten daran so lange, bis diese Gewissheit gespalten von meinem Ankern, zerbrochen und zerrissen ist.

Du sagst, unser Geist wäre dieses fliegende, blutsaugende, fledermausfürchtende Etwas, das sich einst aus unserem vertrocknenden Larvenkörper schälen wird, wenn wir angespült sind an die biografische Grenze mit Bett, Tisch und Stuhl.

Und wenn es die Sprache nicht alleine kann, mich anzuleinen an all den mehr und mehr zerfallenden Gewissheiten, die dem kollektiven Menschheits-Ich gegeben sind, dann nehme ich das Geräusch als Ausgangspunkt, in dem alles enthalten ist: Dann moduliere ich Geräusch zu Klang, zur Tonfolge, Harmonie oder Disharmonie. Oder zu einem Laut, zur Silbe, zum Wort, Satz, Sinn oder Unsinn.

Mücke gewesen sein. Erinnerung sein, an sich selbst. Sich Zwilling sein.

Immer ist bereits alles in einem Geräusch enthalten: Denn der Urknall ist ein Geräusch und „Anfang“ ist (ein Wort und das Wort ist) Geräusch: Laut zu Laut, Klang zu Klang.

Aktuelles Klang-Lyrik-Aufführungsprojekt [demnächst]

Eine „Luftnummer“ zum Dichterabend #5, Berliner Poesie-Festival: Synästhetisches Bildmassaker mit den vier Hyperschallkunstflugzeugen Swantje Lichtenstein, Kinga Tóth, Michael Ammann und Christian Schloyer. Am Mittwoch, den 30. Mai 2018, 21:30 Uhr in einem Quadrophoniefeld in der Akademie der Künste. Unterstützt vom Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten.

Aktuelles Klang-Lyrik-Buch-Projekt [unvollendet, unveröffentlicht]

Derzeit auf Marsreise. „Ich“ blickt zurück auf die Erde und ihre Apokalyptischen Reiter (Umweltvernichtung, Kapitalismus, Faschismus, Nationalismus). Hier oben (oder unten) ist nichts besser, aber vieles ist anders. Du fragst, welchen Weg ich gehe? Ich entscheide, also bin ich … noch ein wenig. Ich bin! So viel Utopie muss sein.

Vorangehendes Klang-Lyrik-(Grafik-)Buch-Projekt [erschienen August 2017]

 JUMP ’N’ RUN! Stell dir vor, du bist ein Computerspiel. Anstelle von neuronalen Nerven-Impulsen sind’s Algorithmen, die dein Bewusstsein befeuern. Bei jedem Mal Lesen ist alles anders. Es ist ein Spiel von heiterer Verzweiflung. Wir wandern ab aus der „gated community” ins „mutiergehege“. Wir tauchen von der „testumgebung im himmel“ hinab ins „taufbecken mit marianengraben“. Nur eines ist sicher: dein GAME OVER.

Christian Schloyer: Vita & Bibliographie

Der Nürnberger Text- und Klangkünstler Christian Schloyer ist schwerpunktmäßig in der Lyrik, in der Lyrik-Performance und im elektroakustischen Improvisationsspiel aktiv. Seine Leidenschaft gilt vor allem der kunstgattungsübergreifenden, synästhetischen Arbeit mit dichterischen Texten. Außerdem versucht er sich als Autor von Kinderbüchern sowie einer Fantasy-Trilogie. Im Brotberuf ist er freier Werbetexter und Kommunikationsberater.

Geboren 1976 in Erlangen, verbrachte er seine Schulzeit in Nürnberg und Gunzenhausen. In Erlangen studierte er Philosophie, Neuere Deutsche Literatur, Theater- und Medienwissenschaften und rief 2000 die Textwerkstatt und Autorengruppe „Wortwerk Erlangen/Nürnberg“ ins Leben, deren Mitglied er bis heute ist.

Der Schriftsteller ist Mitbegründer und seit 2012 erster Vorstand von „LiteraturDing e.V.“ (Förderverein in Nürnberg für Gegenwartsliteratur, gegründet 2010), wo er u.a. die „LYRIKNACHT“ verantwortet. Außerdem ist er Mitinitiator zahlreicher Literaturprojekte.

Schloyer gehörte den Redaktionen der Literaturzeitschriften „Laufschrift“ und „BLUMENFRESSER“ sowie der Künstlergruppe „falschtechst-schlachtfest“ an. Er engagierte sich in der Jury für den Literaturpreis der Nürnberger Kulturläden (2007–2015) und war 2006–2012 Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller. 2007 wurde Schloyer in der deutschsprachigen Lyrikszene schlagartig bekannt, als er, bis dato ohne eigene Veröffentlichung, in Darmstadt den Leonce-und-Lena-Preis gewann.

Einzelveröffentlichungen

  • Im Herbst 2007 erschien das vielbeachtete Lyrikdebüt „spiel · ur · meere“ bei Kookbooks, Berlin. (mehr …)
  • Im Frühjahr 2012 wurde Schloyers zweiter Gedichtband veröffentlicht: „panik · blüten“, Poetenladen Verlag, Leipzig. (mehr …)
  • Soeben (August 2017) erschien im gleichen Verlag der dritte Band: „JUMP ’N’ RUN“, ein „poetisches Retro-Computerspiel in Gedicht- und Buchform.“ (mehr …)

Projekte (Auswahl)

  • 2008 „Troia ist tiefer“
  • 2010 „Projesie-Prosajekt“
  • 2010 „1. Nürnberger Lyriknacht“
  • 2011 „2. Nürnberger Lyriknacht“
  • 2013 „Zettelkastens Traum“
  • 2015 „LYRIKNACHT 2015“ (mehr …)
  • 2015 „LiterraForming“ (mehr …)
  • 2017 „LYRIKNACHT 2017“ (mehr …)
  • 2018 „Hyperschallkunstflugzeugen“ (mehr …)

Als Schriftsteller erhielt Schloyer bisher folgende Auszeichnungen:

  • 2003 Förderpreis „Lyrik“ der Nürnberger Kulturläden
  • 2004 Erster Preisträger des 12. Open Mike, Berlin
  • 2007 Leonce-und-Lena-Preis, Darmstadt
  • 2008 Aufenthaltsstipendium des Berliner Senats im Literarischen Colloquium Berlin
  • 2009 Preis beim Literaturwettbewerb Wartholz, Reichenau a. d. Rax in Österreich
  • 2009 Kulturförderpreis für Literatur der Kulturstiftung Erlangen
  • 2011 Förderpreis zum August-Graf-von-Platen-Preis, Ansbach
  • 2013 Bayerischer Kunstförderpreis in der Sparte Literatur
  • 2015 Einladung zur Autorenwerkstatt Prosa, Literarisches Colloquium Berlin
  • 2015 Stipendium der Stadt Nürnberg
  • 2016 Lyrikpreis München
  • 2017 Stadtschreiber in Tübingen
  • 2018 „Carte Blanche“ zum 19. poesiefestival berlin, Haus für Poesie Berlin